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Grundlagen
Mit der Novellierung des Hessischen Privatrundfunkgesetzes (HPRG) wurde im Herbst 1994 erstmalig die Möglichkeit geschaffen, neben den öffentlich-rechtlichen und privat-kommerziellen Radiostationen nun auch das nichtkommerzielle Lokalradio (NKL) einzurichten.
Per Gesetz ist hier Werbung und Sponsoring 'on air' ausdrücklich verboten. Dafür entzieht sich ein NKL auch möglicher Abhängigkeiten, Zwänge oder Forderungen der werbenden Wirtschaft.
Daher haben sich auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dieses NKL gegen jegliche Form von Werbung und Sponsoring 'on air' ausgesprochen.

Finanzierung
Eine weitgehende Finanzierung des Sendetriebes erfolgt durch die Hessische Landesanstalt für privaten Rundfunk (LPR Hessen). Die LPRHessen bezieht ihre dafür zu verwendenden Mittel z.B. aus den Rundfunkgebühren und einer Abgabe der privat-kommerziellen Rundfunkanbieter.

Sendebereich / Frequenzen
Der Sendebereich der NKLs ist i.d.R. auf eine Stadtregion beschränkt (s.u.). Weiterhin kennzeichnend für NKLs ist, dass ein relativ festes Senderaster besteht, in dem regelmäßig wiederkehrende Sendungen verankert sind – ein gravierender Unterschied zu den Offenen Kanälen, wo das Prinzip der Warteschlange gilt.

Waren im Frühjahr 1996 in Hessen noch 16 Initiativen bekannt, die für ihren Bereich die Einrichtung eines NKL betrieben, so wurden später nur sieben dieser Initiativen lizenziert (s.u.).

Durch die Telekom werden freie Frequenzen in den einzelnen Gebieten ermittelt, die u.U. für NKLs nutzbar sind. Die Zuweisung dieser Frequenzen an die LPR Hessen erfolgt nach Entscheidung der Staatskanzlei.
Bei der Ermittlung freier Frequenzen ist bemerkenswert, dass selbst bei vergleichsweise geringen Sendeleistungen von 500 W die so genannte Inlands- und Auslandskoordination zu erfolgen haben, d.h. alle in- und ausländischen Rundfunk- und Fernsehanstalten der Anrainerstaaten müssen ihr Einverständnis zur Nutzung der jeweiligen Frequenz geben. Allein dieses Prozedere nimmt etwa sechs Monate Zeit in Anspruch.

Der Beginn in Eschwege
In Eschwege bildete sich im Herbst 1994 in dem Verein Regional-Netz e.V. eine Projektgruppe, die die ersten maßgeblichen Vorbereitungen für ein eigenes Radio in Eschwege leistete. Erste Kontakte wurden mit der Hessischen Landesanstalt für privaten Rundfunk (LPRHessen) aufgenommen, die Eschweger Vorstellungen für ein NKL vorgetragen und abgestimmt.

Im Dezember 1995 wurde der Trägerverein RundFunk Meißner e.V. gegründet und die Zuerkennung der Gemeinnützigkeit beim Finanzamt beantragt (zwingend notwendig für den Erhalt einer Sendelizenz).

Im Juni 1996 wurde ein dreitägiges Veranstaltungsradio durchgeführt, bei dem erstmals die für Eschwege ermittelte Sendefrequenz mit einer provisorischen Sendetechnik getestet werden konnte. Dies war insofern hilfreich, um a) den Empfangsbereich des Senders ermitteln zu können, aber b) auch den Projekt-MitarbeiterInnen zwischenzeitlich Gelegenheit zu geben, erste eigene Erfahrungen mit dem Medium Radio zu sammeln und sie so ‘bei Laune’ zu halten, immerhin waren 1½ Jahre seit Gründung der Projektgruppe vergangen, unzählige Versammlungen abgehalten und Gespräche mit Politik, Wirtschaft, Kammern und sonstigen Institutionen geführt worden.

Im September 1996 bewarb sich RundFunk Meißner e.V. bei der Hessischen Landesanstalt für privaten Rundfunk um die für seinen Bereich ermittelte und im Staatsanzeiger ausgeschriebene erste Frequenz. Der umfangreiche Lizenzantrag umfasste neben Vereinssatzung und Redaktionsstatut die Konzeption zum Betrieb der Radiostation. Ferner war die Zusammensetzung der AnbieterInnengemeinschaft darzulegen, aus der ersichtlich sein soll, dass ein breites Spektrum der vor Ort tätigen Menschen, Vereine, Organisationen und Institutionen sich in dem Radio programmlich engagieren will. Neben einem dreijährigen Finanzplan war ebenso die beabsichtigte Programmstruktur darzulegen und detailliert zu beschreiben. Im Oktober 1996 wurden dann drei erste Lizenzen vergeben an Radio Darmstadt (RadaR), Radio Unerhört Marburg (RUM) und RundFunk Meißner (RFM) in Eschwege. Drei weitere Lizenzen wurden dann im Februar ´97 vergeben an das Freie Radio Kassel, Radio X in Frankfurt und R(h)einwelle Rüsselsheim/Wiesbaden.

Im Sommer 1996 wurden seitens der Hessischen Landesanstalt für privaten Rundfunk Förderrichtlinien verabschiedet (und zwischenzeitlich mehrmals überarbeitet), nach denen die lizenzierten NKLs ihre Fördermittel beziehen. Aktuell beläuft sich die Jahresfördersumme auf 71.500 €. Ferner standen Finanzmittel für die Erstausrüstung der Sendetechnik, die Geschäftsausstattung und für notwendige Umbaumaßnahmen am Gebäude sowie Installationsarbeiten zur Verfügung.
Da von der LPR Hessen bei den NKLs eine gewisse Kontinuität erwartet wird ist mindestens eine feste Stelle einzurichten. Somit sind neben der Förderung durch die LPR Hessen allerdings weitere Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden, sonstigen Zuwendungen und Veranstaltungen zwingend notwendig.

RundFunk Meißner (RFM) stellt bei den jetzt in Hessen sieben dauerhaft sendenden nichtkommerziellen Radios insofern eine Besonderheit dar, als das Sendegebiet sich nicht auf eine Stadtregion konzentriert, sondern auf den Werra-Meißner-Kreis - einen Landkreis, der aufgrund seiner ehemaligen Randlage zur DDR infrastrukturelle Defizite aufweist. Entsprechend der Beantragung wurde in dem Zulassungsbescheid festgelegt, dass zunächst eine Sendeanlage in Eschwege betrieben werden sollte, später kamen sogenannte Füllsender an drei weiteren Standorten (Witzenhausen, Hessisch Lichtenau und Sontra) hinzu. Der Hauptsender in Eschwege wurde am 1. März 1997 in Betrieb genommen. Selbst mit den Füllsendern ist aber leider noch immer kein flächendeckender Empfang im gesamten Kreisgebiet möglich.

Programm
RundFunk Meißner e.V. als Trägerverein dieses NKL hat mittlerweile über 300 Mitglieder, die sich aus Einzelpersonen, Vereinen, Organisationen ergeben. Etwa 140 Menschen gestalten ehrenamtlich das Programm, das z.Zt. mindestens 14 Stunden täglich umfaßt. Vorgabe seitens der LPR ist ein tägliches Programm von mindestens 10 Stunden, wobei jeweils 5 Stunden frisch produziert sein müssen. Das Programm muß ein sogenanntes Vollprogramm sein, das neben Unterhaltung die Bereiche Information, Bildung, Kultur usw. beinhaltet. In dem Sendeumfang ist ferner ein sogenanntes „Offenes Gruppenradio“ eingerichtet, in dem - unter Einhaltung bestimmter Rahmenbedingungen - jeder Mensch sich über das Medium Radio mitteilen kann.
Vorteilhaft ist, wenn bestimmte Programmlinien eingerichtet werden. So gibt es bei RFM werktäglich von 11 bis 12 Uhr „Das! Journal“, eine Magazinsendung mit vielfältigen Informationen aus der Region. Anschließend folgen Wiederholungen aus der ‚Wortschiene’ mit inhaltlichen Schwerpunkten aus den Bereichen Kultur, Politik, Umwelt, Wirtschaft, Sport usw. Und am Abend zwischen 18 und 21 Uhr stehen neue Produktionen aus dem Bereich der ‚Wortschiene’ im Programm.

Einen weiteren Anteil im Programmangebot stellen die Musiksendungen dar, die vorwiegend um 20 Uhr beginnen (das Wochenende ist mit einem höheren Anteil von Musiksendungen anders / ‚durchhörbarer’ strukturiert). Hier werden ebenso aktuelle Musikstile präsentiert wie auch Musik der 70er und 80er Jahre oder auch Jazz, Salonmusik und Klassik. Maßgeblich sind dabei die Präferenzen der in der Musikredaktion zusammengefaßten mehr als 40 MitarbeiterInnen. Neben Musik aus der ‚Konserve’ erhalten aber auch Musikgruppen, Chöre und Bands der Region die Möglichkeit, sich zu präsentieren.

Zwecks Bemusterung von Musik wurden bislang mehr als 150 Label kontaktet. Dabei ist festzustellen, dass einige große Label die Abgabe von Tonträgern an kleine Stationen im Grundsatz ablehnen oder Verträge anbieten, bei denen ‘blind’ eine Abnahme von bis zu 160 Tonträgern im Jahr zu einem Stückpreis von bis zu 8 € vereinbart werden soll. Die (besonderen finanziellen) Gegebenheiten eines nichtkommerziellen Radio finden bei diesen Label wenig bis keine Berücksichtigung.
Kleinere alternative Label zeigen in dem Zusammenhang eine wesentlich höhere Bereitschaft zur Kooperation.

Nahezu alle MitarbeiterInnen kommen aus der Region und haben in unterschiedlichster Ausformung Interesse an der Radioarbeit. Vorkenntnisse technischer oder journalistischer Art können dabei ebenso wenig vorausgesetzt werden wie z.B. Erfahrungen im Sprechtraining. Daher ist eine kontinuierliche Aus- und Fortbildung notwendig, die durch eigene und MitarbeiterInnen und externe Honorarkräfte erfolgt. Daneben besteht die Möglichkeit der Teilnahme an Veranstaltungen, die durch das Bildungszentrum Bürgermedien angeboten werden. Die Teilnahme an den Seminaren ist in der Regel kostenlos.

Anmutung
Die (zumindest anfängliche) Unprofessionalität der MitarbeiterInnen im Sendebetrieb erfordert bei der Zuhörerschaft ein besonderes Maß von Akzeptanz hinsichtlich der (un)vermeidlichen „hm“, „äh“ und ähnlicher Füllsel. Darüber hinaus muß der Hörerschaft vermittelt werden, dass diese Radios nicht den vielerorts üblichen Anspruch auf Durchhörbarkeit genügen müssen, sondern als NKLs eher sogenannte Einschaltradios sind mit anderen Ansprüchen. Diese lassen sich zunächst formal umschreiben mit den Bereichen Information, Bildung, Beratung und Unterhaltung, die ihren Eingang in die unterschiedlichsten Sendungen finden.

Daneben ist auch zu erwähnen, dass eben die freien, nichtkommerziellen Radios die Standards der Hörgewohnheiten durchbrechen können bzw. auch nachdrücklich wollen:
- Der Wortbeitrag muß sich nicht auf zwei Minuten reduzieren.
- Hintergrundinformationen, die vielfach entfallen, können hier umfassend Berücksichtigung finden.
- Musiken können in voller Länge gespielt werden.
- Gern können/sollen neben Interpreten und Titel auch weitere Informationen wie Label, Veröfffentlichungstermin usw. genannt werden.
- Thematische Zusammenhänge können in Musiksendungen aufge- und bearbeitet werden.
- Hörspiele, eine fast vergessene Sendeform, finden hier ihren (festen) Platz.
- Daneben ist selbstverständlich auch Raum für eher experimentelle und daher ungewohnte Hörformen.
Besonders für RundFunk Meißner stellt sich das Problem, dass im ländlichen Raum das freie, nichtkommerzielle Radio - gerade trotz oder wegen seines grundverschiedenen Ansatzes und Auftrages - oft mit den großen Stationen (z.B. hr1 bis hr4, ffh und DLF) verglichen wird und sich daher am ehesten um ein besonderes Maß von Verständnis, Akzeptanz und zumindest Semi-Professionalität bemühen muß.